Anders als eine betriebliche Ausbildung ist die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten ein Vorbereitungsdienst im Beamtenverhältnis auf Widerruf: Das Land stellt Sie ein, zahlt Anwärterbezüge und schließt die Ausbildung mit einer Laufbahnprüfung ab. In Nordrhein-Westfalen dauert der Vorbereitungsdienst für den allgemeinen Vollzugsdienst zwei Jahre, in Bayern 18 Monate, in Niedersachsen rund 23 Monate mit anschließender mündlicher Prüfung. Die Theorie lernen Sie an einer zentralen Schule des Landes, die Praxis in den Justizvollzugsanstalten.
Wer nach „Gefängniswärter Ausbildung“ oder „Gefängnisaufseher Ausbildung“ sucht, landet bei derselben Laufbahn. Amtlich heißt sie allgemeiner Vollzugsdienst, in Bayern Justizvollzugsdienst. Jedes Bundesland regelt Dauer, Ablauf und Prüfung in eigenen Vorschriften. Die Angaben auf dieser Seite sind deshalb immer einem Land zugeordnet und stammen aus der jeweiligen Ausbildungsordnung oder der Bewerberseite der Landesjustiz.
Wie lange die Ausbildung dauert: drei Länder im Vergleich
Die Unterschiede zwischen den Ländern betreffen vor allem die Gesamtdauer und den Anteil der Unterrichtsblöcke. Gemeinsam ist allen drei Regelungen der Wechsel zwischen Schule und Anstalt.
| Land | Dauer | Theorie | Praxis | Schule |
|---|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 2 Jahre einschließlich Prüfung | 9 Monate in drei Blöcken | 15 Monate in vier Blöcken, in mindestens zwei Einrichtungen | Justizvollzugsschule NRW (Josef-Neuberger-Haus) |
| Bayern | 18 Monate, Beginn jeweils am 1. Februar | rund 30 Wochen in zwei Blöcken (10 und 20 Wochen) | rund 48 Wochen an zwei Ausbildungsanstalten | Bayerische Justizvollzugsakademie Straubing |
| Niedersachsen | rund 23 Monate Vorbereitungsdienst, danach mündliche Prüfung | Grundlehrgang und Fachlehrgang je mindestens 3,5 Monate, dazu zwei Modullehrgänge | Stammanstalt, empfohlene Abordnung von mindestens vier Wochen | Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges, Wolfenbüttel |
Quellen: Ausbildungs- und Prüfungsordnung allgemeiner Vollzugsdienst NRW (APOaVollzD) §§ 7, 9, 11, 12; Bayerisches Staatsministerium der Justiz, Bewerberseite allgemeiner Vollzugsdienst (Einstellungsjahrgang 2026); JVA Lingen, Ablauf der Ausbildung im Überblick.
Der Ablauf Schritt für Schritt am Beispiel Nordrhein-Westfalen
Die nordrhein-westfälische Verordnung legt die Reihenfolge der Abschnitte fest. Sie beginnen in der Anstalt, nicht im Klassenraum, und durchlaufen insgesamt sieben Abschnitte im Wechsel von Praxis und Schule.
Die schriftliche Prüfung schreiben Sie nach dem dritten Schulblock, die mündliche folgt zum Ende des letzten Praxisabschnitts. Eine Verkürzung sieht die Verordnung nicht vor. Verlängert werden kann der Vorbereitungsdienst um höchstens ein Jahr, etwa wenn die Leistungen unter vier Punkten liegen oder die Prüfung beim ersten Versuch nicht bestanden wird. Insgesamt soll er drei Jahre nicht überschreiten.
Was an der Justizvollzugsschule unterrichtet wird
Ziel der Ausbildung ist nach § 6 der NRW-Verordnung, dass Sie „selbstständig und mit sozialem Verständnis an der Erfüllung der Vollzugsaufgaben mitzuwirken“ in der Lage sind. Der Unterricht ist dafür in fünf Fachgebiete gegliedert (§ 12 Abs. 2):
- Recht und Rechtsgrundlagen: Grundzüge des Staats-, Verfassungs- und Verwaltungsrechts, des Beamtenrechts sowie des Straf- und Strafverfahrensrechts, dazu das Vollzugsrecht.
- Vollzugsaufgaben: Vollzugspraxis, Vollzugsverwaltungskunde, Dokumentation und Berichtswesen einschließlich der vollzugsspezifischen IT-Verfahren.
- Delinquenzentwicklung, Behandlung, Erziehung und Förderung: Kriminologie und Vollzugspsychologie, Pädagogik, Sozialsysteme und soziale Arbeit.
- Kommunikation und Konfliktmanagement: Grundlagen der Kommunikation, Gewaltprävention und Deeskalation, Sicherungstechniken und Waffensicherung.
- Gesundheitsförderung: Sport, Gesundheitslehre und Erste Hilfe.
Die drei Aufsichtsarbeiten der schriftlichen Prüfung stammen aus den ersten drei Fachgebieten (§ 18). Recht, Vollzugsaufgaben und Kriminologie tragen damit den schriftlichen Prüfungsteil.
Wo Sie in der Praxisphase eingesetzt werden
In Nordrhein-Westfalen sollen Sie in der praktischen Ausbildung alle Aufgaben des allgemeinen Vollzugsdienstes kennenlernen. Die Verordnung schreibt mindestens je vier Wochen in vier Vollzugsformen vor: Untersuchungshaft, geschlossener Erwachsenenvollzug, offener Vollzug sowie Jugendvollzug oder Jugendarrest. Eingesetzt werden Sie in mindestens zwei Einrichtungen, überwiegend im Abteilungsdienst.
Die bayerische Justiz beschreibt die Arbeitsbedingungen ohne Umschweife: Schichtdienst einschließlich Nächten, Sonn- und Feiertagen, überwiegend im Stehen und Gehen, und die Fähigkeit, im Ernstfall unmittelbaren Zwang anzuwenden. Diese Bedingungen gelten bereits in der Ausbildung. Wie sich der Dienstplan im Alltag anfühlt, beschreiben die Seiten zum Schichtdienst im Justizvollzug und zum Arbeitsalltag in der JVA.
Laufbahnprüfung: Ablauf und was bei Nichtbestehen gilt
In Nordrhein-Westfalen besteht die Prüfung aus zwei Teilen. Schriftlich sind drei Aufsichtsarbeiten an drei Tagen zu je drei Zeitstunden zu schreiben, mündlich folgt eine Einzelprüfung von 30 Minuten. In die Gesamtnote gehen die schriftliche und die mündliche Prüfung mit je 35 Prozent ein, die Noten aus Schule und Praxis mit je 15 Prozent. Wer schriftlich oder mündlich unter vier Punkten bleibt, hat nicht bestanden.
Die Prüfung darf einmal vollständig wiederholt werden; der zusätzliche Vorbereitungsdienst dauert dann höchstens ein Jahr. Ist auch die Wiederholung nicht bestanden, endet das Beamtenverhältnis mit dem Tag, an dem Ihnen das Ergebnis bekanntgegeben wird.
Bayern prüft schriftlich am Ende des zweiten Theorieblocks und mündlich-praktisch am Ende der letzten Praxisphase. In Niedersachsen dauert die schriftliche Laufbahnprüfung vier Tage und schließt den Fachlehrgang ab, die mündliche folgt am Ende des Vorbereitungsdienstes.
Was Sie während der Ausbildung verdienen
Als Beamter auf Widerruf erhalten Sie Anwärterbezüge. Ihre Höhe richtet sich nach dem Besoldungsrecht des jeweiligen Landes und unterscheidet sich deshalb zwischen den Bundesländern. Die aktuellen Beträge mit Quelle je Land stehen auf der Seite Justizvollzugsbeamter Gehalt und Besoldungstabelle, dort im Abschnitt zu den Bezügen während der Ausbildung.
Was nach der bestandenen Prüfung folgt
In Nordrhein-Westfalen endet das Beamtenverhältnis auf Widerruf mit Ablauf des Monats, in dem Sie die Prüfung bestehen. In Niedersachsen folgt die Übernahme als Beamter auf Probe. Bayern ernennt nach bestandener Prüfung zur Obersekretärin oder zum Obersekretär im Justizvollzugsdienst in Besoldungsgruppe A 7, sofern die beamtenrechtlichen Voraussetzungen vorliegen. Welche Amtsbezeichnungen danach folgen und wie sie sich zwischen den Ländern unterscheiden, zeigt die Übersicht der Dienstgrade im Justizvollzug.
Vor der Einstellung: Voraussetzungen und Auswahlverfahren
Bayern verlangt für den allgemeinen Vollzugsdienst die deutsche Staatsangehörigkeit, mindestens einen mittleren Schulabschluss oder qualifizierenden Hauptschulabschluss (alternativ Hauptschulabschluss mit abgeschlossener förderlicher Berufsausbildung), ein Alter zwischen 18 und unter 45 Jahren, ein besonderes Auswahlverfahren und einen bestandenen Sporttest. Die anderen Länder setzen Altersgrenzen und Testbausteine teils anders. Einzelheiten stehen auf den Seiten zu den Voraussetzungen für die Bewerbung, zur Altersgrenze und zum JVA-Sporttest.
Den schriftlichen Teil des Auswahlverfahrens können Sie mit dem folgenden Übungstest vorbereiten.
JVA Einstellungstest
Ausbildung im mittleren oder Studium im gehobenen Dienst
Die hier beschriebene Ausbildung führt in den allgemeinen Vollzugsdienst, in Bayern in die zweite Qualifikationsebene. Daneben gibt es im Justizvollzug den gehobenen Dienst mit eigenem Zugangsweg. Wer nach dem Abschluss dorthin wechseln will, findet die Wege auf der Seite zum gehobenen Dienst im Justizvollzug.
Ausbildung und Auswahlverfahren in Ihrem Bundesland
Für mehrere Länder gibt es eigene Seiten mit Fristen, Ablauf des Auswahlverfahrens und Ausbildungsangaben: